Fasching in München

SuperStar Gina Wild

Es war im Münchner Fasching vorletztes Jahr. Meine Clique, das waren fünf
fast gleichaltrige, um die 20jährige Studenten, drei Mädchen und zwei
Burschen, hatte mich schon gedrängt, mit ihnen allen auf ein Kostümfest zu
gehen, auf dem es, wie bekannt war, freizügig zugehen würde. Also mußte ich
die noch verbleibenden Tage nutzen, um ein Solarium aufzusuchen. Drei oder
viermal war ich dort, vermied Sonnenbrand und wurde braun. Man solle ein
originelles, nicht zu sehr zugeknöpftes Kostüm haben, also so weit wie
möglich ausgezogen sein, hieß es. Da es sehr kalt war, mußte dafür gesorgt
werden, daß die fadenscheinigen Kostümchen unter einem langen Wintermantel
nicht Schaden nahmen.
Ich entschied mich, eine Art Haremsdame vorzustellen, mit knappem, weißem
Oberteil, das gerafft war, Pluderhosen, die erst tief unter dem Nabel
begannen, eine Art Perlenschnur um die Hüfte, das Torso frei, in den Nabel
selbst ein glitzerndes Etwas geklebt, Sandalen. O ja, natürlich einen weißes
Höschen trug ich schon, denn die Pluderhosen waren durchsichtig. Bis knapp
unter die Augen reichte eine schleirige Maske, ein bißchen sah es auch aus
nach Tausend-und-eine-Nacht. Ich war zwar sicher nicht übertrieben originell
auf diesem Ball, aber immerhin fand ich mich sexy. Der Ball war voll, man
tanzte und ich mußte von Zeit zu Zeit mein Kostüm in Ordnung bringen. Von
Tänzern wurde ich vorn und hinten betätschelt, bei den Biegungen und Sprüngen
verrutschte mir Oberteil oder Hosenbund oder beides, aber ich verlor
glücklicherweise nichts.
Meine Clique hingegen verlor sich im Laufe der Nacht und ich fand mich bald
umgeben von fremden Masken. Weit nach Mitternacht war es, da hatte ich
mehrmals mit derselben Scheichmaske getanzt, es mußte ein gepflegter Kavalier
sein, der deutlich größer war als ich und mindestens zehn, wenn nicht zwanzig
Jahre älter. Vom Kostüm her paßten wir gut zusammen, sonst aber wäre mir ein
Student, welcher Fakultät auch immer, lieber gewesen als so ein
offensichtlicher Bonvivant. Der flüsterte mir nach dem vierten Tanz ins Ohr,
ich solle ihn doch in sein “Harem” begleiten, Haremsdame die ich sei, es wäre
nicht weit. Ich sträubte mich zunächst, machte ihm das auch mit Worten klar
und sah mich wieder nach jemandem von meiner Clique um, der mich vielleicht
retten würde; aber, obschon sich der Ball schon etwas geleert hatte, sah ich
niemanden von meinen Freunden. Wo waren die nur? Es gab mehrere Säle und es
war schwierig, in dem Gedränge beisammen zu bleiben, zumal wir uns keinen
Tisch leisten konnten. Wir waren freilich allesamt vom Münchner Fasching
aufgeregt, neugierig und unternehmungslustig.. Vielleicht feierten die
anderen längst irgendwo eng umschlungen. Der Scheich drängte weiter, gab mir
Sekt zu trinken, küßte mich, übrigens gut, so daß ich, – frustriert ein
wenig, weil ich mich von meiner Clique allein gelassen sah -, doch übermütig
einwilligte, mit ihm in das sogenannte Harem zu fahren, wobei mir völlig klar
war, daß er mich zu Hause ins Bett ziehen wollte. Ich hoffte, dabei keine
weiteren Überraschungen zu erleben und beschloß, gut aufzupassen. Neugier auf
ihn, den ich bisher nur in der Maske sah, war es auch, was mich trieb.
An der Garderobe fand ich dann wirklich auch meinen Mantel, obschon ich meine
Garderobenmarke nicht vorweisen konnte. Die hatte meine Freundin aus der
Clique und die blieben unauffindbar. Ich muß da einschieben, daß ich wirklich
damals einem besonders langer Wintermantel hatte, in dem ich zum Ball
gekommen war. Beim Herkommen hatte ich Stiefel an und einen Rock, beides war
in der Tasche, die mit dem Mantel abgegeben worden war und die ich ebenso
zurück erhielt wie den Mantel. Die Kostümhosen und Sandalen hatte ich erst am
Ball im “Powderroom” angezogen, jetzt wollte ich dasselbe machen, nur
umgekehrt. Aber dieser eher enge Raum war von erhitzten Mädchen überfüllt.
Ich fühlte mich verloren und wollte den Scheich nicht zu lange warten lassen,
am Ende verpaßte ich auch ihn noch und müßte ein Taxi zahlen. Ich zog also
mit Schnelligkeit in dem Gedränge unter den vielen Frauen in einer Nische
meine leichte, flattrige Pluderhose aus, dafür meine Lederstiefel an, behielt
nur Oberteil und Höschen unter dem Mantel an, eine Notlösung, sicherlich,
aber angesichts des Gewoges in dem überfüllten Raum schien mir das die beste
Lösung. Rock und Oberteil hätten überdies nicht zusammengepaßt, Pluderhose
und Stiefel noch weniger, wohl aber gingen Stiefel, Höschen und Oberteil
zusammen, zur Not sah ich sogar verrucht aus, richtig verdorben für den
Abschluß einer Faschingsnacht. Und in seinem “Harem” würde er mich ohnehin
ausziehen wollen.
Mit Sex nicht zu rechnen, wäre naiv gewesen, was sonst sollte einem im
Fasching geschehen, als daß man kurzentschlossen miteinander ins Bett geht.
Als ich in den Vorraum zurückkam, sah ich ihn glücklicherweise gleich am
Eingang warten. Er trug einen gut geschnittenen, gelben Kaschmirmantel,
Schlapphut darüber, sein Kostüm war unter dem Mantel sichtbar, an dem vor
allem erkannte ich ihn wieder.
Er schien ein eleganter Herr zu sein, einer mit Geld. Er mußte zweimal
hinsehen, bevor er mich entdeckte: Mein langer Mantel war nicht ganz nach der
neusten Mode, und dazu Stiefel, den Mantel züchtig hochgeschlossen bis unters
Kinn. Der Schleier war natürlich weg. Er sah mir ins Gesicht.
Er nahm mir sofort die Kleidertasche ab und trug sie mir. Mit dem Taxi fuhren
wir in seinen “Harem”, als welches sich ein sehr bekanntes Hotel in der
Innenstadt herausstellte, bekannt als Münchener Luxusschuppen. Er hatte dort
ein Zimmer für ein paar Tage gemietet. Was soll ich sagen: Ich war mehr als
überrascht, geradezu platt. Ich war noch nie in einem Zimmer im “B.H.”
gewesen, abgesehen von dann und wann mal unten bei Veranstaltungen. Ich
fühlte mich jetzt doch wie ein Callgirl, wohl eine gewohnte Erscheinung in
einem Nobel-Hotel, obgleich niemand, nicht Page, nicht Concierge, auch nur
eine Miene verzogen, als sie mich in seiner Begleitung zum Lift gehen sahen.
Mein Begleiter machte es mir dabei so leicht wie nur möglich: Wie schön, wenn
einer Manieren hat. Überrascht war er wohl, als er mir den Mantel im Zimmer
abnahm und ich nur in Stiefel, Höschen und dem flimsigen Kostümoberteil vor
ihm stand. Er ließ mich keinerlei Überraschung merken. Auch keine nur im
leisesten anzügliche Bemerkung fiel; höflich und wohlerzogen blieb er. Zeigte
mir das diskret das Bad. Als ich von dort nach einer Weile erst zurückkam,
gründlich frisch gemacht und mit Vorgefundenem parfümiert, hatte ich nur das
übliche große Handtuch um die Hüften geschlungen und er lag schon im Bett.
Sein Körper, so viel ich jetzt davon sah, war gut, vielleicht schon ein wenig
weich um Schultern und Bauch, schien es mir, als er sich aufsetzte. Ich trat
näher zu ihm, er zog das Handtuch fort, sah mich von oben bis unten an, holte
mich zu sich herab.
Als ich zu ihm ins Bett schlüpfte, machte er das Licht aus. Im Bett schmiegte
ich mich an ihn, suchte seinen Mund, streichelte seinen Bauch und fand seinen
Penis, der nur so halbwegs stand. Ich hatte es gern, wie er mit mir erst nach
langem Vorspiel Sex machte, was er vor allem für sich selbst brauchte. Er war
ein erfahrener Liebhaber, denn er machte es erst ganz zart mit streichelnden
Bewegungen entlang meinen Beinen, suchte ganz sacht meine feuchte Höhle und
berührte die Clitoris, strich sie, drückte sie, bog sie, probte mit einem
Finger die Scheide, umkreiste dann den Anus, probte auch dort und verweilte
danach an Hüften, Bauch, Rücken, Brust und Hals mit beiden, sehr sensiblen
Händen jetzt. Mir wurde immer heißer. Ich gestehe, nach aller Zärtlichkeit
wollte ich jetzt Sex und ohne weiteres Gefackel. Aber den Penis hielt er noch
eine ganze Weile von mir fern, ließ ihn mich erst wieder spüren und mit ihm
spielen, als er meinte, er sei groß und hart genug, so daß ein von ihm
vorbereitetes Kondom, das ich ihm schließlich selbst überziehen sollte,
gestrafft blieb.
Nach dieser Berührung meiner Hand kam sein Penis endlich besser zur Geltung,
ich fühlte ihn unter meinen Fingern wirklich hart werden, und er drang nun
auch von vorn in mich ein, stieß in mir ein wenig tiefer, machte aber Pausen,
bevor er sich erneut zu bewegen getraute; zu einem Orgasmus langte es bei mir
leider nicht, obschon ich mir Mühe gab, mich ihm willig zu überlassen, so gut
ich es in der Umarmung mit diesem Fremden verstand.
Am Morgen wollte er mich aber doch noch einmal haben, diesmal forderte er
mich auf, es ihn von hinten machen zu lassen, natürlich wieder mit einem
Kondom, und er war dabei stürmischer. Sein Penis war viel schneller steif
geworden und stand steil. Es überkam mich an diesem Morgen nach kürzester
Nacht sogar so etwas wie die Lust auf noch mehr, noch geileren, evtl. sogar
oralen Sex. Mehr aber wurde es nicht, denn er ergoß sich schnell.
Unter der Dusche regenerierte ich meine Kräfte und konnte nicht anders, als
mich selbst zu stimulieren, um den Rest an mir zu besorgen nach der noch
schwelenden Erregungen. Wenig später danach hatten wir ein gepflegtes
Frühstück im Zimmer, das er inzwischen herbeigeordert hatte. Es war eine
Genugtuung für mich, so im Überfluß bedient zu werden nach dieser Nacht und
in Ruhe das Frühstück zu genießen, selbst mit diesem Unbekannten neben mir.
Ich konnte mich auch gemächlich anziehen und endgültig zurecht machen; den
einfachen Rock trug ich nun ganz ordentlich über den Stiefeln, die Bluse
hatte ich zugeknöpft. Dafür lag das Faschingskostüm nun zerknittert in der
Tasche. Es schien mir, als ob er etwas in Eile wäre, mich mit einem Bussi zu
verabschieden, natürlich wurde nichts verabredet. Ich mußte allein in den
Gang hinaus, denn er war nur im Morgenmantel, mußte herunterfahren im Lift
und aus dem Hotel hinausgehen wie ein Callgirl nach der Arbeit, und heim.
Wieder sah in der Halle kaum jemand zu mir hin. Es war gegen 9 Uhr.
Zu Hause wurde ich aber beim Auspacken vor Scham ganz rot, weil nämlich in
der Tasche neben dem Kostümbündel volle 300 Mark in neuen Scheinen lagen,
ohne Kuvert. Ich hätte ihm dieses Geld am liebsten zurückgebracht und ihn für
die Geste geohrfeigt. Hatte er nicht gemerkt, daß ich eine Studentin war, nur
aus auf einen Faschingsflirt?
Aber ich war zu faul, nochmals aus dem Haus zu gehen. Es war Samstag. Keine
Vorlesungen. Also blieb ich und ließ ihm den Glauben, eine Nutte zu sein.
Auch, das Geld konnte ich brauchen.
Er hat mich nie wiedergesehen.

[ENDE]

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